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Was ist eine Wärmepumpe? Definition, Funktion & Arten (2026)

Von Dr. Lena HoffmannAktualisiert am 1. Juni 20268 Min. Lesezeit

Was ist eine Wärmepumpe? Funktion, Arten, Kosten, JAZ & BEG-Förderung 2026 verständlich erklärt – mit Vergleichstabelle und Praxistipps für Alt- und Neubau.

Was ist eine Wärmepumpe? Definition, Funktion & Arten (2026)
Inhaltsverzeichnis
  1. Wärmepumpe einfach erklärt: das Prinzip
  2. Wie funktioniert eine Wärmepumpe technisch?
  3. Das Kältemittel: warum R290 (Propan) heute Standard ist
  4. Welche Arten von Wärmepumpen gibt es?
  5. Luft-Wasser-Wärmepumpe
  6. Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)
  7. Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)
  8. Luft-Luft-Wärmepumpe
  9. Welche Wärmepumpe passt zu welchem Haus?
  10. Vergleich der Wärmepumpen-Arten
  11. JAZ und COP: So messen Sie die Effizienz
  12. Was kostet der Betrieb? Strom, Stromtarif und Beispiel
  13. Was kostet eine Wärmepumpe in der Anschaffung?
  14. BEG-Förderung 2026: bis zu 70 Prozent Zuschuss
  15. Wärmepumpe im Altbau: Wann sie sich lohnt
  16. Wie laut ist eine Wärmepumpe?

Die Frage was ist eine Wärmepumpe beantworte ich Bauherren oft mit einem Satz: ein Heizsystem, das kostenlose Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser holt und sie mit etwas Strom auf Heiztemperatur anhebt. Der eigentliche Clou steckt im Verhältnis. Aus einer Kilowattstunde Strom werden typischerweise drei bis vier Kilowattstunden Wärme. So ersetzt eine Wärmepumpe Öl- und Gasheizungen, heizt im Winter, macht Warmwasser und kühlt im Sommer sogar. Auf dieser Seite erkläre ich das Prinzip in Ruhe, zeige die Arten im Vergleich, nenne reale Preise für 2026, rechne die Förderung durch und sage ehrlich, wann sich die Technik in Ihrem Haus lohnt.

Wärmepumpe einfach erklärt: das Prinzip

Stellen Sie sich einen Kühlschrank vor, nur falsch herum betrieben. Der Kühlschrank zieht Wärme aus seinem Innenraum und gibt sie hinten an die Küche ab. Die Wärmepumpe macht genau das, nur dass sie der Umgebung Wärme entzieht und sie an Ihr Heizsystem weiterreicht.

Der Knackpunkt: Selbst Luft von 0 °C oder kühles Erdreich steckt noch voller nutzbarer Wärmeenergie. Sie liegt bloß auf einem zu niedrigen Temperaturniveau, um damit direkt zu heizen. Hier setzt das Gerät an. Es pumpt die Wärme auf ein höheres Niveau, daher der Name.

Gegenüber einer simplen Stromheizung ist der Unterschied gewaltig. Der Strom treibt nur den Verdichter an, statt selbst die komplette Wärme zu erzeugen. Der weitaus größte Teil der gelieferten Wärme kommt gratis aus der Umwelt. Das ist der Grund, warum die Technik so effizient ist und zum Herzstück der Wärmewende wurde.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe technisch?

Im Inneren zirkuliert ein Kältemittel, das schon bei sehr niedrigen Temperaturen verdampft. Dieser Kältekreislauf läuft in vier Schritten ab und nutzt vier Hauptkomponenten:

  1. Verdampfer: Das flüssige Kältemittel nimmt Umweltwärme auf und verdampft dabei, schon bei Temperaturen weit unter null Grad.
  2. Verdichter (Kompressor): Er komprimiert das Gas. Durch den steigenden Druck schnellt die Temperatur nach oben. Diesen Schritt treibt der Strom an.
  3. Verflüssiger (Kondensator): Das heiße Gas gibt seine Wärme an das Heizwasser ab und wird wieder flüssig.
  4. Expansionsventil (Drossel): Der Druck sinkt schlagartig, das Kältemittel kühlt ab, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wer das Zusammenspiel der Bauteile im Detail nachvollziehen will, findet das in unserem Beitrag dazu, wie eine Wärmepumpe funktioniert, Schritt für Schritt aufgedröselt.

Das Kältemittel: warum R290 (Propan) heute Standard ist

Moderne Geräte setzen zunehmend auf das natürliche Kältemittel R290 (Propan). Es hat ein sehr geringes Treibhauspotenzial (GWP von 3) und erlaubt hohe Vorlauftemperaturen bis rund 70 °C. Gerade im Altbau ist das Gold wert. Ältere Modelle arbeiteten oft mit synthetischen Kältemitteln mit hohem GWP, die durch die F-Gase-Verordnung schrittweise verschwinden. Achten Sie beim Kauf auf ein propanbasiertes Modell, dann sind Sie auf Jahre auf der sicheren Seite.

Welche Arten von Wärmepumpen gibt es?

Wärmepumpen unterscheiden sich vor allem nach ihrer Wärmequelle. Daraus ergeben sich Effizienz, Aufwand und Preis. Einen ausführlichen Überblick über die Wärmepumpe Arten im Vergleich liefert ein eigener Ratgeber, hier die Kurzfassung.

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Die mit Abstand häufigste Variante. Sie zieht Wärme aus der Außenluft, braucht keine Bohrung und keine Genehmigung. Dadurch ist sie am günstigsten und am schnellsten installiert, ideal für die Nachrüstung. Der Haken: An sehr kalten Tagen sinkt die Effizienz, weil die Temperaturdifferenz wächst.

Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)

Sie nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs über Erdsonden (Tiefenbohrung) oder Flächenkollektoren. Weil die Quelle das ganze Jahr stabil bleibt, arbeitet sie sehr effizient und leise. Höhere Anschaffungskosten und ein Genehmigungsverfahren für die Bohrung stehen auf der anderen Seite.

Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)

Die effizienteste, aber aufwendigste Variante. Sie nutzt Grundwasser über einen Förder- und einen Schluckbrunnen. Voraussetzung sind ausreichend Grundwasser, eine wasserrechtliche Genehmigung und passende Wasserqualität.

Luft-Luft-Wärmepumpe

Sie überträgt die Wärme direkt auf die Raumluft statt auf Heizwasser. Sinnvoll vor allem in sehr gut gedämmten Gebäuden (Passivhaus) mit Lüftungsanlage. Für klassische Heizkörper oder eine Fußbodenheizung eignet sie sich nicht.

Welche Wärmepumpe passt zu welchem Haus?

Kurz gesagt: Im Bestand mit normalem Grundstück landet man fast immer bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe, weil sie ohne Bohrung auskommt. Erdwärme lohnt sich, wenn die Fläche da ist und Sie viele Jahre im Haus bleiben. Grundwasser bleibt ein Sonderfall mit hoher Effizienz, aber strengen Auflagen. Wer unsicher ist, findet im Ratgeber welche Wärmepumpe brauche ich eine strukturierte Entscheidungshilfe.

Vergleich der Wärmepumpen-Arten

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Die Preise sind Richtwerte für ein Einfamilienhaus inklusive Installation, vor Abzug der Förderung (Stand 2026).

Typ Wärmequelle Typische JAZ Kosten inkl. Einbau Besonderheit
Luft-Wasser Außenluft 3,0–4,0 15.000–28.000 € Günstig, keine Bohrung, schnell installiert
Sole-Wasser (Erde) Erdreich 4,0–4,8 25.000–40.000 € Sehr effizient, Bohrung & Genehmigung nötig
Wasser-Wasser Grundwasser 4,5–5,2 28.000–45.000 € Höchste Effizienz, zwei Brunnen, Genehmigung
Luft-Luft Außenluft 3,0–3,8 8.000–15.000 € Nur mit Lüftungssystem, kein Heizwasser

JAZ und COP: So messen Sie die Effizienz

Zwei Kennzahlen entscheiden über Wirtschaftlichkeit und Stromverbrauch, und sie werden ständig verwechselt:

  • COP (Coefficient of Performance): Ein Laborwert, der die Leistung bei festgelegten Bedingungen angibt (z. B. A2/W35). Gut für den Gerätevergleich, taugt aber nicht für den Alltag.
  • JAZ (Jahresarbeitszahl): Der praxisrelevante Wert. Sie zeigt, wie viel Wärme eine Anlage über das ganze Jahr aus einer Kilowattstunde Strom macht. Eine JAZ von 4 bedeutet: vier Kilowattstunden Wärme pro Kilowattstunde Strom.

Als Faustregel gilt eine JAZ ab 3 als solide, ab 4 als sehr gut. Drei Faktoren heben den Wert spürbar an: eine niedrige Vorlauftemperatur, eine hochwertige Wärmequelle und eine fachgerechte Auslegung mit hydraulischem Abgleich. Je kleiner der Temperaturunterschied zwischen Quelle und Heizsystem, desto höher die Effizienz. Tiefer steige ich in dem Beitrag JAZ und COP erklärt ein.

Was kostet der Betrieb? Strom, Stromtarif und Beispiel

Für die laufenden Kosten zählt der tatsächliche Stromverbrauch. Ein Rechenbeispiel für ein durchschnittliches Einfamilienhaus:

  • Wärmebedarf: ca. 12.000 kWh pro Jahr
  • JAZ: 3,5
  • Stromverbrauch: 12.000 ÷ 3,5 ≈ 3.430 kWh
  • Strompreis: rund 28 ct/kWh (2026, teils günstigere Wärmepumpentarife verfügbar)
  • Jährliche Stromkosten: ca. 960 €

Viele Netzbetreiber bieten vergünstigte Wärmepumpentarife an, oft mit eigenem Zähler. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage drücken Sie die Betriebskosten weiter, weil ein Teil des Stroms vom eigenen Dach kommt. Eines sollten Sie sich merken: Eine niedrige JAZ kann die Stromrechnung glatt verdoppeln. Auslegung und Sanierungszustand zahlen sich also bares Geld aus. Wie sich der Stromverbrauch der Wärmepumpe übers Jahr realistisch verteilt, habe ich separat durchgerechnet.

Was kostet eine Wärmepumpe in der Anschaffung?

Die Spanne ist groß und hängt am Typ. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt inklusive Einbau meist zwischen 15.000 und 28.000 Euro, eine Erdwärmepumpe mit Bohrung zwischen 25.000 und 40.000 Euro. Was am Ende auf der Rechnung steht, treiben vor allem Bohrkosten, der nötige Pufferspeicher und der Aufwand für die Anpassung des Heizsystems. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Wärmepumpe Kosten mit Einbau hilft, Angebote besser einzuordnen.

BEG-Förderung 2026: bis zu 70 Prozent Zuschuss

Der Einbau einer Wärmepumpe im Bestandsgebäude wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst. Die Zuschüsse lassen sich stapeln:

  • Grundförderung: 30 % für den Heizungstausch
  • Effizienz-Bonus: 5 % für Anlagen mit natürlichem Kältemittel (z. B. R290) oder besonders effizienter Erd-/Wasserquelle
  • Klimageschwindigkeits-Bonus: 20 % beim Austausch einer alten fossilen Heizung
  • Einkommens-Bonus: 30 % für Haushalte mit bis zu 40.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen

Die Boni sind auf maximal 70 % gedeckelt, die förderfähigen Kosten auf 30.000 € für die erste Wohneinheit. Damit sinkt der Eigenanteil bei einer 22.000-Euro-Luft-Wasser-Wärmepumpe je nach Konstellation auf wenige Tausend Euro. Den Antrag stellen Sie bei der KfW, in der Regel über einen Fachbetrieb oder Energieeffizienz-Experten. Prüfen Sie vor dem Kauf die jeweils aktuellen Konditionen, denn die Förderdetails ändern sich erfahrungsgemäß öfter, als einem lieb ist. Den vollständigen Überblick gibt der Ratgeber zur Wärmepumpe Förderung 2026.

Wärmepumpe im Altbau: Wann sie sich lohnt

Ein hartnäckiges Missverständnis lautet, Wärmepumpen funktionierten nur im Neubau. Stimmt nicht. Entscheidend ist allein eine niedrige Vorlauftemperatur. Diese Punkte machen den Bestand wärmepumpentauglich:

  • Flächenheizung oder große Heizkörper: Fußboden- oder Wandheizung sind ideal. Auch ausreichend dimensionierte Heizkörper funktionieren, oft genügen Niedertemperatur-Modelle.
  • Solide Gebäudehülle: Gedämmte Dächer und moderne Fenster senken den Wärmebedarf und damit die nötige Vorlauftemperatur.
  • Hydraulischer Abgleich: Er verteilt die Wärme gleichmäßig und hebt die JAZ spürbar an.
  • Heizlastberechnung: Eine fachgerechte Auslegung verhindert teure Über- oder Unterdimensionierung.

Reicht die Heizleistung an wenigen sehr kalten Tagen nicht aus, übernimmt entweder ein integrierter Elektro-Heizstab oder eine Hybridlösung mit bestehendem Gas-Brennwertgerät. Eine unabhängige Energieberatung, etwa über die Verbraucherzentrale, klärt im Einzelfall, welche Maßnahme den größten Hebel bietet. Alle Voraussetzungen und reale Erfahrungswerte finden Sie im Ratgeber zur Wärmepumpe im Altbau.

Wie laut ist eine Wärmepumpe?

Ein Thema, das viele Ratgeber unterschlagen: die Lautstärke. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Betrieb meist 30 bis 45 dB(A) in einigen Metern Abstand, vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank bis hin zu einem ruhigen Gespräch. Erd- und Wasserwärmepumpen arbeiten nahezu lautlos, weil das Außengerät entfällt. Für die Aufstellung gelten die Immissionsrichtwerte der TA Lärm. Nachts dürfen in reinen Wohngebieten 35 dB(A) am Nachbargrundstück nicht überschritten werden. Ein durchdachter Aufstellort mit Abstand zu Schlafräumen und zur Grundstücksgrenze löst das Thema in der Praxis zuverlässig.

Wenn Sie nur eine Sache aus diesem Text mitnehmen: Bevor Sie ein Angebot unterschreiben, lassen Sie eine Heizlastberechnung machen und holen Sie sich eine unabhängige Energieberatung. Damit ist die Anlage richtig ausgelegt, die Förderung voll ausgeschöpft, und Sie heizen über Jahre günstig. Genau an dieser Reihenfolge entscheidet sich, ob die Wärmepumpe ihr Versprechen hält oder Sie über zu hohe Stromkosten ärgert.

Häufige Fragen

Wie funktioniert eine Wärmepumpe einfach erklärt?+

Eine Wärmepumpe entzieht der Umwelt (Luft, Erdreich oder Grundwasser) Wärme, hebt sie über einen Kältekreislauf mit Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil auf ein nutzbares Temperaturniveau an und gibt sie an das Heizsystem ab. Aus rund einer Kilowattstunde Strom werden je nach Effizienz drei bis vier Kilowattstunden Wärme.

Was kostet eine Wärmepumpe inklusive Einbau 2026?+

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet inklusive Installation meist 15.000 bis 28.000 Euro, Erdwärmepumpen mit Bohrung 25.000 bis 45.000 Euro. Über die BEG-Förderung sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich, sodass der Eigenanteil deutlich sinkt.

Funktioniert eine Wärmepumpe auch im Altbau?+

Ja. Entscheidend ist eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur. Mit Flächenheizung oder großen Heizkörpern und solider Dämmung arbeiten Wärmepumpen auch im Bestand effizient. Bei sehr hohem Wärmebedarf helfen ein hydraulischer Abgleich oder ein Hybridsystem.

Was bedeutet JAZ bei einer Wärmepumpe?+

JAZ steht für Jahresarbeitszahl. Sie gibt an, wie viel Wärme eine Anlage über das Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Eine JAZ von 4 bedeutet vier Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom. Werte zwischen 3 und 4,5 gelten als gut.

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