Luft- oder Erdwärmepumpe? Der große Vergleich 2026
Von Jonas BrandtAktualisiert am 17. Mai 20268 Min. Lesezeit
Luftwärmepumpe oder Erdwärmepumpe? Vergleich 2026 zu Kosten, JAZ, Förderung und Amortisation, mit klarer Entscheidungshilfe für Ihr Haus.

Inhaltsverzeichnis▾
- So funktionieren die beiden Systeme
- Welches System ist effizienter? JAZ und COP im Vergleich
- Was kostet welches System in Anschaffung und Betrieb?
- Was die Betriebskostendifferenz wirklich bedeutet
- Förderung 2026: die BEG im Detail
- Amortisation: Wann rechnet sich die Erdwärmepumpe?
- Genehmigung, Platzbedarf und Lautstärke
- Genehmigung und Bohrung
- Platzbedarf
- Lautstärke
- Kühlen, Komfort und Lebensdauer
Sie wollen die alte Heizung rauswerfen und hängen an genau einer Frage fest: Luftwärmepumpe oder Erdwärmepumpe? Ich nehme Ihnen die Spannung gleich. Für die allermeisten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland ist die Luftwärmepumpe die vernünftige Wahl, schlicht weil die Investition niedriger und der Einbau einfacher ist. Die Erdwärmepumpe wird interessant, wenn viel Heizwärme gebraucht wird, das Grundstück mitspielt und Sie in Jahrzehnten denken statt in Jahren. Dann ist sie effizienter und über die Lebensdauer oft sogar die günstigere Lösung.
Worauf es ankommt, sind am Ende vier Dinge: Budget, Grundstück, Wärmebedarf und Planungshorizont. Die Zahlen unten sind für 2026, und ich gehe bei Förderung, Amortisation und Genehmigung in die Tiefe. Genau dort, wo die meisten Ratgeber dünn werden.
So funktionieren die beiden Systeme
Physikalisch machen beide dasselbe. Sie holen Wärme aus einer Umweltquelle und heben deren Temperatur mit etwas Strom auf ein Niveau, mit dem sich heizen lässt. Verschieden ist nur die Quelle.
- Luft-Wasser-Wärmepumpe (Luftwärmepumpe): Ein Ventilator saugt Außenluft an und zieht daraus Wärme, auch bei Minusgraden. Sie steht meist als kompaktes Außengerät neben dem Haus.
- Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe): Sie nutzt die Wärme aus dem Boden, entweder über Erdsonden (Tiefenbohrung, 40–100 m) oder über Flächenkollektoren (flach verlegt, brauchen viel Fläche). Eine Sole-Flüssigkeit bringt die Wärme ins Haus.
Der physikalische Trumpf der Erdwärme: Im Winter fällt die Außenluft unter 0 °C, also ausgerechnet dann, wenn der Heizbedarf am höchsten ist. Das Erdreich dagegen bleibt schon ab wenigen Metern Tiefe konstant bei rund 8 bis 12 °C. Diese stabile, höhere Quelltemperatur ist der ganze Grund, warum Erdwärmepumpen sparsamer laufen.
Welches System ist effizienter? JAZ und COP im Vergleich
Im Alltag zählt die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage übers Jahr aus einer Kilowattstunde Strom holt. Der COP klingt ähnlich, ist aber nur ein Laborwert unter Idealbedingungen und im echten Haus wenig wert. Wer den Unterschied genauer verstehen will, findet ihn in unserem Beitrag zu JAZ und COP der Wärmepumpe sauber auseinandersortiert.
| Kennzahl | Luftwärmepumpe | Erdwärmepumpe |
|---|---|---|
| Typische JAZ | 3,0 – 3,8 | 4,0 – 4,8 |
| Quelltemperatur (Winter) | ca. −10 bis +10 °C | konstant ca. 8–12 °C |
| Effizienz bei strengem Frost | sinkt spürbar | nahezu stabil |
Eine JAZ von 4 heißt: 75 % der Heizenergie kommen kostenlos aus der Umwelt, nur 25 % zahlen Sie als Strom. Bei einer Luftwärmepumpe mit JAZ 3,2 sind es rund 31 % Strom. Über ein ganzes Heizjahr macht dieser Abstand auf der Stromrechnung einen sichtbaren Unterschied, wie viel genau, sehen Sie gleich.
Eines gilt für beide Systeme gleichermaßen: Eine niedrige Vorlauftemperatur ist Pflicht. Ohne Fußbodenheizung oder großzügig ausgelegte Heizkörper (35–45 °C Vorlauf) läuft keine der beiden Wärmepumpen wirtschaftlich. Das sehe ich in der Praxis immer wieder als den Punkt, an dem gute Anlagen schlechte Zahlen liefern.
Was kostet welches System in Anschaffung und Betrieb?
Hier kommt der eigentliche Konflikt auf den Tisch. Die Erdwärmepumpe kostet beim Kauf mehr, im Betrieb weniger. Die Werte gelten für ein typisches Einfamilienhaus (ca. 130–160 m², Wärmebedarf rund 12.000 kWh im Jahr) und einen Strompreis von etwa 28 ct/kWh im Wärmepumpentarif.
| Kostenpunkt | Luftwärmepumpe | Erdwärmepumpe |
|---|---|---|
| Anschaffung inkl. Einbau | 12.000 – 25.000 € | 18.000 – 40.000 € |
| davon Erschließung (Bohrung/Kollektor) | – | 6.000 – 15.000 € |
| Jährlicher Stromverbrauch | 3.200 – 4.500 kWh | 2.400 – 3.300 kWh |
| Jährliche Stromkosten | ca. 900 – 1.300 € | ca. 700 – 950 € |
| Wartung pro Jahr | ca. 150 – 250 € | ca. 100 – 200 € |
| Lebensdauer Wärmepumpe | ca. 18 – 20 Jahre | ca. 20 – 25 Jahre |
| Lebensdauer Erdsonde/Kollektor | – | 50+ Jahre |
Der dicke Brocken bei der Erdwärmepumpe ist die Erschließung. Eine Tiefenbohrung schlägt je nach Geologie und Bohrtiefe schnell mit 8.000 bis 15.000 € allein für die Sonde zu Buche. An diesem einen Posten entscheidet sich, ob sich die Erdwärme am Ende rechnet oder nicht. Wenn Sie die Luftvariante isoliert durchrechnen wollen, hilft die detaillierte Aufstellung in unserem Ratgeber zu den Kosten der Luftwärmepumpe weiter.
Was die Betriebskostendifferenz wirklich bedeutet
Realistisch spart die Erdwärmepumpe pro Jahr 200 bis 400 € Stromkosten. Gegen Mehrkosten von oft über 10.000 € klingt das erst mal nach wenig. Genau deshalb braucht es eine ehrliche Amortisationsrechnung, und genau die liefern die meisten Vergleiche nicht.
Förderung 2026: die BEG im Detail
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert beide Systeme als Heizungstausch über die KfW. Worauf es ankommt, ist die Mischung der Boni:
- Grundförderung: 30 % für jede förderfähige Wärmepumpe.
- Klimageschwindigkeits-Bonus: 20 % beim Austausch einer alten fossilen Heizung (für selbstnutzende Eigentümer).
- Einkommens-Bonus: 30 % bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 40.000 €.
- Effizienz-Bonus: zusätzliche 5 %, unter anderem für Wärmepumpen, die Erdreich oder Wasser als Quelle nutzen. Davon hat in der Praxis vor allem die Erdwärmepumpe etwas.
Gedeckelt ist der maximale Fördersatz bei 70 %, die förderfähigen Kosten bei 30.000 € für die erste Wohneinheit.
| Aspekt | Luftwärmepumpe | Erdwärmepumpe |
|---|---|---|
| Maximaler Fördersatz | bis 70 % | bis 70 % |
| Effizienz-Bonus (5 %) | meist nein | ja (natürliche Quelle) |
| Beispiel: 22.000 € Anlage, 55 % Förderung | ca. 12.100 € Zuschuss | – |
| Beispiel: 32.000 € Anlage, gedeckelt auf 30.000 €, 60 % | – | ca. 18.000 € Zuschuss |
Eines sollten Sie nicht überschätzen: Der Effizienz-Bonus schrumpft die Förderlücke zwischen beiden Systemen, gleicht die hohen Erschließungskosten der Erdwärme aber nicht komplett aus. Trotzdem ist es oft erst die Förderung, die der Erdwärmepumpe überhaupt eine Chance gibt, mit der Luftvariante mitzuhalten. Welche Boni sich 2026 wie kombinieren lassen, haben wir in der Übersicht zur Wärmepumpen-Förderung 2026 im Detail aufgedröselt.
Amortisation: Wann rechnet sich die Erdwärmepumpe?
Rechnen wir ein realistisches Beispiel durch, jeweils nach Förderung:
- Luftwärmepumpe: 20.000 € minus 55 % Förderung = 9.000 € Eigenanteil
- Erdwärmepumpe: 32.000 € (gedeckelt auf 30.000 €) minus 60 % = 14.000 € Eigenanteil
Bleibt eine Mehrinvestition von rund 5.000 € für die Erdwärme. Bei einer jährlichen Ersparnis von etwa 300 € (Strom plus Wartung) ist diese Differenz nach 15 bis 18 Jahren wieder drin. Zieht der Strompreis stärker an als die Energiepreise insgesamt, oder ist der Wärmebedarf hoch (großes Haus, schwache Dämmung), schrumpft die Frist deutlich. Im Neubau mit ordentlicher Heizlast habe ich Amortisationszeiten unter 10 Jahren gesehen.
Als grobe Faustregel:
- Geringer bis mittlerer Wärmebedarf, gut gedämmtes Haus → die Luftwärmepumpe amortisiert sich besser.
- Hoher Wärmebedarf, lange Nutzung geplant, Fläche da → langfristig gewinnt die Erdwärmepumpe.
Gerade im Bestand lohnt sich vorab ein Blick auf die Voraussetzungen, die wir im Ratgeber zur Wärmepumpe im Altbau durchgehen. Dort spielen Dämmung und Vorlauftemperatur die Hauptrolle, und beides entscheidet stärker über die Wirtschaftlichkeit als die Wahl zwischen Luft und Erde.
Genehmigung, Platzbedarf und Lautstärke
Diese drei “weichen” Faktoren entscheiden im Alltag oft schneller als die reine Wirtschaftlichkeit. Manchmal ist die Sache nach dem Blick aufs Grundstück schon gelaufen.
Genehmigung und Bohrung
- Luftwärmepumpe: in aller Regel genehmigungsfrei. Achten müssen Sie nur auf die Schallschutz-Abstände zum Nachbarn (TA Lärm) und gegebenenfalls auf örtliche Bauvorschriften.
- Erdwärmepumpe: Erdsonden sind bei der unteren Wasserbehörde anzeige- bzw. genehmigungspflichtig. In Wasserschutzgebieten sind Bohrungen oft schlicht verboten. Worauf Sie bei der Genehmigung achten müssen, fasst auch die Verbraucherzentrale gut zusammen. Flächenkollektoren brauchen meist nur eine Anzeige, dafür aber viel unversiegelten Garten, ungefähr das 1,5- bis 2-fache der beheizten Wohnfläche.
Platzbedarf
Die Luftwärmepumpe braucht nur einen kleinen Stellplatz im Freien. Die Erdwärmepumpe will entweder eine Bohrfläche samt Zufahrt fürs Bohrgerät oder einen großen Garten für die Kollektoren. Auf kleinen Grundstücken ist das oft das K.-o.-Kriterium, bevor man überhaupt über Kosten spricht.
Lautstärke
- Luftwärmepumpe: rund 40–60 dB(A) durch den Ventilator. Moderne Geräte sind im Flüstermodus deutlich leiser, trotzdem will der Aufstellort gut überlegt sein.
- Erdwärmepumpe: etwa 30–40 dB(A), kein Außenventilator, praktisch nicht zu hören.
Kühlen, Komfort und Lebensdauer
Kühlen können beide im Sommer. Die Erdwärmepumpe kann aber passiv kühlen (“natural cooling”): Die kühle Erdreichtemperatur wird fast ohne Stromeinsatz über die Flächenheizung ins Haus geleitet. Das ist sparsamer und billiger als die aktive Kühlung der Luftwärmepumpe.
Bei der Haltbarkeit liegt die Erdwärme ebenfalls vorn. Die eigentliche Wärmepumpe hält bei beiden Systemen etwa 18 bis 25 Jahre, doch Erdsonden und Kollektoren laufen über 50 Jahre. Wer einmal bohrt, profitiert über mehrere Gerätegenerationen hinweg, das relativiert die hohen Erschließungskosten auf lange Sicht spürbar.
Mein konkreter Rat, bevor Sie sich festlegen: Holen Sie sich eine Heizlastberechnung und je ein Angebot für beide Varianten, inklusive Geologie-Check fürs Grundstück. Erst mit Ihrem echten Wärmebedarf, dem Bohrpreis vor Ihrer Haustür und Ihrem individuellen Fördersatz sehen Sie schwarz auf weiß, welches System über 20 Jahre tatsächlich weniger kostet. Und solange das Grundstück nicht für eine Bohrung taugt, sparen Sie sich den Aufwand: Dann ist die Luftwärmepumpe ohnehin gesetzt.
Häufige Fragen
Was ist günstiger: Luftwärmepumpe oder Erdwärmepumpe?+
In der Anschaffung ist die Luftwärmepumpe mit rund 12.000–25.000 € deutlich günstiger als die Erdwärmepumpe (18.000–40.000 €). Im Betrieb dreht sich das Bild: Die Erdwärmepumpe verbraucht dank höherer JAZ rund 20–30 % weniger Strom. Über 20 Jahre können sich die höheren Investitionskosten amortisieren.
Welche Wärmepumpe hat die höhere Förderung 2026?+
Beide werden über die BEG mit bis zu 70 % gefördert. Erdwärmepumpen erhalten zusätzlich den Effizienz-Bonus von 5 %, weil sie natürliche Erdwärme als Quelle nutzen. Damit liegt der maximale Fördersatz für die Erdwärmepumpe faktisch etwas höher.
Braucht eine Erdwärmepumpe eine Genehmigung?+
Ja. Erdsonden mit Tiefenbohrung sind bei der unteren Wasserbehörde anzeige- bzw. genehmigungspflichtig, in Wasserschutzgebieten oft gar nicht erlaubt. Flächenkollektoren brauchen meist nur eine Anzeige. Luftwärmepumpen sind in der Regel genehmigungsfrei.
Welche Wärmepumpe lohnt sich im Altbau?+
Im Altbau punktet meist die Luftwärmepumpe: geringere Investition, kein Bohrgerät auf dem Grundstück nötig. Eine Erdwärmepumpe lohnt sich im Bestand vor allem bei großem Wärmebedarf, vorhandener Fläche und wenn ohnehin Flächenheizungen nachgerüstet werden.


