Wärmepumpe im Winter: Funktion, Effizienz und Mythen 2026
Von Jonas BrandtAktualisiert am 11. November 20257 Min. Lesezeit
Wie funktioniert eine Wärmepumpe im Winter? Funktionsprinzip, Abtauzyklus, JAZ bei Minusgraden, Stromkosten und Mythen – unabhängig erklärt für 2026.

Inhaltsverzeichnis▾
- Warum es bei Minusgraden überhaupt noch Wärme gibt
- So läuft der Kältemittelkreislauf im Winter, Schritt für Schritt
- Der Abtauzyklus: das Thema, das kaum jemand erklärt
- Wie stark sinkt die Effizienz bei Minusgraden wirklich?
- Heizstab, Bivalenz und Auslegung: was den Winter entscheidet
- Der elektrische Heizstab als Reserve
- Monovalent oder bivalent?
- Der wichtigste Hebel: die Vorlauftemperatur
- Was kostet der Winterbetrieb? Eine realistische Einordnung
- Drei hartnäckige Mythen, und was wirklich stimmt
Eine Wärmepumpe heizt auch im tiefsten Winter zuverlässig. Das ist die kurze Antwort. Die längere: Sie entzieht der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme, hebt deren Temperaturniveau mit einem Kältemittelkreislauf an und gibt sie an die Heizung ab. Entscheidend ist, dass selbst eiskalte Luft von -10 °C noch reichlich nutzbare Wärmeenergie enthält. Genau hier setzt die Technik an. In diesem Ratgeber zeige ich Schritt für Schritt, wie eine Wärmepumpe im Winter funktioniert, was beim Abtauen passiert, wie stark die Effizienz bei Frost wirklich sinkt, welche Stromkosten realistisch sind und welche Mythen Sie getrost vergessen können.
Warum es bei Minusgraden überhaupt noch Wärme gibt
Der häufigste Denkfehler: “Bei Minusgraden ist doch keine Wärme mehr da.” Physikalisch stimmt das nicht. Thermische Energie existiert bis zum absoluten Nullpunkt von -273,15 °C. Luft mit -10 °C ist also rund 263 Grad wärmer als dieser Nullpunkt, und diese Restwärme genügt der Wärmepumpe völlig.
Der Trick liegt im Kältemittel. Es siedet bereits bei extrem niedrigen Temperaturen, je nach Mittel zwischen etwa -25 und -40 °C. Dadurch verdampft es auch dann noch, wenn die Außenluft längst gefroren ist. Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme im eigentlichen Sinn. Sie transportiert und verdichtet vorhandene Umweltwärme auf ein höheres, heiztaugliches Niveau. Deshalb liefert sie aus 1 Kilowattstunde Strom oft 3 bis 4 Kilowattstunden Heizwärme. Wenn Sie das physikalische Prinzip von Grund auf nachvollziehen möchten, hilft unser Beitrag dazu, wie eine Wärmepumpe funktioniert.
So läuft der Kältemittelkreislauf im Winter, Schritt für Schritt
Der eigentliche Prozess läuft in vier Stationen ab und wiederholt sich permanent:
- Verdampfen: Das flüssige Kältemittel nimmt im Außenverdampfer Wärme aus Luft, Erde oder Wasser auf und wird gasförmig, auch bei Frost.
- Verdichten: Ein elektrisch betriebener Verdichter (Kompressor) presst das Gas zusammen. Druck und Temperatur steigen stark an, jetzt ist das Kältemittel heiß genug zum Heizen.
- Verflüssigen (Kondensieren): Im Verflüssiger gibt das heiße Gas seine Wärme an das Heizwasser ab und wird wieder flüssig.
- Entspannen: Ein Expansionsventil senkt den Druck schlagartig, das Kältemittel kühlt stark ab, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Im Winter ändert sich an diesem Ablauf nichts. Lediglich der Temperaturhub, also der Abstand zwischen kalter Außenluft und gewünschter Vorlauftemperatur, wird größer. Und je größer dieser Hub, desto mehr Strom muss der Verdichter aufwenden. Genau das erklärt den höheren Winterverbrauch.
Der Abtauzyklus: das Thema, das kaum jemand erklärt
Hier liegt eine echte Wissenslücke vieler Ratgeber. Bei Luft-Wärmepumpen kondensiert die Luftfeuchtigkeit am kalten Verdampfer und gefriert besonders im Bereich von etwa -5 bis +7 °C bei hoher Feuchte zu einer Reifschicht. Vereist der Verdampfer, sinkt die Wärmeaufnahme, und die Anlage muss reagieren.
Dazu kehrt die Wärmepumpe ihren Kreislauf kurzzeitig um (Kreislaufumkehr über ein Vierwegeventil) und leitet warmes Kältemittel nach außen. Innerhalb weniger Minuten ist das Eis weg, dann läuft der Heizbetrieb normal weiter. Das ist der Grund, warum aus der Außeneinheit im Winter zeitweise Dampf aufsteigt oder Wasser tropft. Völlig normal, kein Defekt.
Wichtig zu wissen:
- Der Abtauvorgang kostet wenige Prozent der Jahresarbeitszahl. Er ist eingepreist, nicht versteckt.
- Modern geregelte Geräte tauen bedarfsgeführt ab (nach tatsächlichem Vereisungsgrad), nicht stur nach Zeit. Das spart Energie.
- Die Außeneinheit sollte erhöht und mit freiem Kondensatablauf montiert sein, damit Schmelzwasser nicht zur Eisplatte gefriert.
Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen kennen dieses Problem übrigens nicht: Ihre Wärmequelle liegt frostgeschützt im Boden. Wie sich diese Bauarten sonst unterscheiden, lesen Sie im Vergleich Luft- oder Erdwärmepumpe.
Wie stark sinkt die Effizienz bei Minusgraden wirklich?
Die Effizienz misst man kurzfristig über den COP (Coefficient of Performance) und über das Jahr über die JAZ (Jahresarbeitszahl). Eine JAZ von 4 bedeutet: aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme. Was hinter diesen beiden Werten steckt, erkläre ich ausführlich im Beitrag zu JAZ und COP der Wärmepumpe.
Der COP fällt mit sinkender Außentemperatur, weil der Temperaturhub wächst. Die folgenden Werte sind typische Richtwerte einer gut ausgelegten Luft-Wasser-Wärmepumpe mit niedriger Vorlauftemperatur (Flächenheizung):
| Außentemperatur | Typischer COP (Luft-Wasser) | Verbrauch je kWh Wärme |
|---|---|---|
| +7 °C | ca. 4,5 | sehr niedrig |
| 0 °C | ca. 3,3 | niedrig |
| -7 °C | ca. 2,6 | erhöht |
| -15 °C | ca. 2,0 | hoch |
Entscheidend ist die richtige Einordnung. In Deutschland gibt es pro Jahr nur wenige Tage mit strengem Frost. Der Großteil der Heizsaison liegt zwischen 0 und +10 °C, also im effizienten Bereich. Deshalb erreichen Luft-Wärmepumpen über das ganze Jahr eine JAZ von rund 3 bis 4, Erdwärmepumpen oft 4 bis 4,5, Grundwasser-Anlagen bis etwa 5. Die kalten Spitzen drücken den Jahreswert nur leicht.
Heizstab, Bivalenz und Auslegung: was den Winter entscheidet
Der elektrische Heizstab als Reserve
Die meisten Luft-Wärmepumpen besitzen einen elektrischen Heizstab für extreme Kältespitzen. Er springt nur ein, wenn die Wärmepumpe allein nicht genug Leistung liefert. Bei korrekter Auslegung trägt er unter 5 % zur Jahresheizarbeit bei. Springt er dagegen oft an, ist das für mich in der Praxis das deutlichste Warnsignal: Anlage zu klein, Vorlauftemperatur zu hoch oder Hydraulik nicht optimiert.
Monovalent oder bivalent?
- Monovalent: Die Wärmepumpe deckt die gesamte Heizlast allein. Standard in gut gedämmten Häusern.
- Bivalent: Eine zweite Wärmequelle (oft ein vorhandener Gas- oder Ölkessel) übernimmt nur die kältesten Tage. Sinnvoll im teilsanierten Altbau als Übergangslösung.
Der wichtigste Hebel: die Vorlauftemperatur
Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Effizienz, auch im Winter. Eine Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf ist ideal. Aber auch viele Altbauten mit Heizkörpern funktionieren gut, wenn die Heizkurve sorgfältig eingestellt, ein hydraulischer Abgleich gemacht und die Heizflächen ausreichend groß sind. Welche Heizflächen sich eignen, habe ich im Ratgeber zu den passenden Heizkörpern für die Wärmepumpe zusammengefasst. Moderne Geräte schaffen bei Bedarf Vorlauftemperaturen bis 70 °C, das geht aber zulasten der JAZ.
Was kostet der Winterbetrieb? Eine realistische Einordnung
Konkrete Winterkosten fehlen in fast allen Ratgebern, dabei sind sie die eigentliche Frage. Rechnen wir mit einem typischen Einfamilienhaus, Strompreis 2026 für Wärmepumpentarife rund 28 ct/kWh und realer JAZ.
| Gebäude / Wärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch/Jahr | Stromkosten/Jahr (28 ct) |
|---|---|---|---|
| Saniert, Flächenheizung (12.000 kWh) | 4,0 | 3.000 kWh | ca. 840 € |
| Teilsaniert, Heizkörper (18.000 kWh) | 3,2 | 5.625 kWh | ca. 1.575 € |
| Altbau, hoher Bedarf (24.000 kWh) | 2,8 | 8.570 kWh | ca. 2.400 € |
Die Werte sind grobe Orientierung, keine Garantie. Tatsächliche Kosten hängen von Dämmung, Nutzerverhalten und Tarif ab. Wichtig für den Vergleich: Maßgeblich sind nicht die Spitzenkosten an einzelnen Frosttagen, sondern die Summe über die gesamte Heizsaison. Ein paar extrem kalte Wochen mit höherem Verbrauch werden durch die vielen milden Übergangstage mit hoher Effizienz mehr als ausgeglichen. Eine ausführliche Aufschlüsselung finden Sie in unserer Übersicht zum Wärmepumpe Stromverbrauch. Tipps, die im Winter spürbar Geld sparen:
- Wärmepumpentarif nutzen (häufig günstiger als Haushaltsstrom, teils mit steuerbarer Anbindung nach §14a EnWG).
- PV-Anlage koppeln, auch im Winter liefert sie an klaren Tagen nutzbaren Strom.
- Heizkurve absenken: Jedes Grad weniger Vorlauf erhöht die Effizienz.
- Räume nicht stark auskühlen lassen, konstantes Halten ist bei Wärmepumpen effizienter als starkes Aufheizen.
Zur Einordnung der Investition: Die BEG-Förderung unterstützt den Einbau 2026 mit bis zu 70 % Zuschuss (Grundförderung plus Effizienz-, Einkommens- und Klimageschwindigkeitsbonus), gedeckelt auf förderfähige Kosten. Die aktuellen Sätze und Antragswege stehen direkt beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), die Details für die Heizungsförderung über die KfW. Wie viel davon konkret hängenbleibt, rechne ich in der Übersicht zur Wärmepumpe Förderung 2026 durch.
Drei hartnäckige Mythen, und was wirklich stimmt
- “Wärmepumpen funktionieren im Altbau nicht.” Falsch. Feldmessungen des Fraunhofer ISE zeigen, dass Luft-Wärmepumpen auch in unsanierten bis teilsanierten Bestandsgebäuden zuverlässig und mit JAZ über 3 laufen, wenn Heizflächen und Einstellung passen. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau.
- “Bei Frost schaltet sie ab.” Falsch. Sie läuft bis etwa -20 bis -25 °C durch, der Heizstab dient nur als seltene Reserve.
- “Der Stromverbrauch explodiert im Winter.” Übertrieben. Der Verbrauch steigt an kalten Tagen, doch der Jahresschnitt bleibt durch die vielen milden Heiztage moderat.
Wenn Sie selbst eine Anlage planen, ist die Reihenfolge in der Praxis fast immer dieselbe: erst die Heizlast und die Heizflächen prüfen, dann die Vorlauftemperatur möglichst niedrig auslegen, zuletzt den Tarif optimieren. Eine Wärmepumpe, die im Januar mit Vorlauf 35 °C und sauber eingestellter Heizkurve läuft, bringt Sie deutlich entspannter durch den Winter als jedes Datenblatt mit Bestwerten bei +7 °C.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe auch bei minus 15 Grad?+
Ja. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten bis etwa -20 bis -25 °C. Die Effizienz (JAZ) sinkt bei starkem Frost, doch durch die wenigen sehr kalten Tage pro Jahr fällt das im Jahresmittel kaum ins Gewicht.
Verbraucht eine Wärmepumpe im Winter viel mehr Strom?+
Ja, an kalten Tagen steigt der Stromverbrauch deutlich, weil der Temperaturhub größer ist. Über das Jahr gesehen liegt der Mehrverbrauch im Winter aber im Rahmen, solange Haus und Heizflächen passen.
Was ist der Abtauzyklus und kostet er viel Strom?+
Bei Frost vereist der Außenverdampfer. Die Wärmepumpe kehrt kurz den Kreislauf um und taut ab. Das kostet wenige Prozent der Jahresarbeit und ist völlig normal.
Braucht jede Wärmepumpe einen Heizstab als Notheizung?+
Die meisten Luft-Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab für Kältespitzen. Bei guter Auslegung trägt er unter 5 % zur Jahresheizarbeit bei. Erd- und Wasser-Wärmepumpen benötigen ihn kaum.


